Wenn die Tage kürzer werden, die Luft kühler und der Herbst langsam Einzug hält, nehmen die Krankmeldungen in Unternehmen erfahrungsgemäß zu. Gerade in der Erkältungs-Saison bekommt das Thema Gesundheitsmanagement eine sehr konkrete Dimension und wird schnell zur organisatorischen Herausforderung. Aufgaben müssen neu verteilt, Termine verschoben und Vertretungen gefunden werden.
Für die erkrankten Beschäftigten geht es darum, wieder gesund zu werden. Für die übrigen Teams darum, den Betrieb aufrechtzuerhalten.
Eine aktuelle Studie setzt an einer grundlegenden Frage an: Welchen Stellenwert hat Gesundheit in mittelständischen Unternehmen und was folgt daraus im Arbeitsalltag? Die Ergebnisse zeigen eine Lücke zwischen der Bedeutung, die Unternehmen dem Thema zuschreiben, und seiner systematischen Umsetzung.
Gesundheit gilt als Erfolgsfaktor – doch was folgt daraus?
Für die Studie „Gesunde Arbeit. Anspruch und Wirklichkeit im Mittelstand“ befragte F.A.Z. Business Media im Auftrag der BARMER zwischen März und Mai 2026 insgesamt 550 Unternehmensentscheider aus Betrieben mit 50 bis 2.000 Beschäftigten.
94 Prozent bewerten Mitarbeitergesundheit als wichtigen Erfolgsfaktor. Damit steht sie hinter Kundenzufriedenheit und Produkt- beziehungsweise Dienstleistungsqualität an dritter Stelle. Gleichzeitig beschreibt die Untersuchung Nachholbedarf bei der strukturierten Gesundheitsförderung: Einzelne Angebote ersetzen noch keinen dauerhaften Prozess, der Belastungen ermittelt, Verantwortlichkeiten festlegt und Maßnahmen überprüft.
Für Unternehmen ergibt sich daraus eine praktische Frage: Passen ihre Gesundheitsangebote zu den tatsächlichen Anforderungen der Beschäftigten? Ein Bewegungskurs kann sinnvoll sein. Er beantwortet aber noch nicht, ob Arbeitsabläufe, Zeitdruck oder fehlende Erholungsmöglichkeiten zusätzliche Belastungen schaffen. Hier lohnt es sich, die Beschäftigten selbst einzubeziehen und ihre Erfahrungen zum Ausgangspunkt zu machen.
Fehlzeiten steigen und sinken
Wie wichtig eine sachliche Einordnung ist, zeigt die Debatte über den Krankenstand. In jüngster Vergangenheit wurde in Politik und Gesellschaft teils hitzig über die Entwicklung der Kranmeldungen in deutschen Unternehmen diskutiert.
Es ist korrekt, dass die erfassten Fehlzeiten deutlich über dem Niveau vor 2022 liegen. Von einem ungebremsten Anstieg kann allerdings nicht gesprochen werden.
Bei der Techniker Krankenkasse stiegen die durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeitstage je versicherter Erwerbsperson von 14,6 im Jahr 2021 auf 19,0 im Jahr 2022. Nach 19,4 Tagen im Jahr 2023 sank der Wert auf 19,1 im Jahr 2024 und 18,6 im Jahr 2025.
Eine ähnliche jüngere Entwicklung zeigen die AOK-Daten: 2025 entfielen auf beschäftigte Mitglieder durchschnittlich 23,3 Arbeitsunfähigkeitstage. 2023 und 2024 waren es jeweils 23,9 Tage gewesen. Die Werte verschiedener Krankenkassen sind wegen unterschiedlicher Versichertenstrukturen nicht unmittelbar vergleichbar. Beide Zeitreihen zeigen jedoch zuletzt rückläufige Fehlzeiten.
Außerdem gilt: Mehr Krankheitstage bedeuten nicht automatisch mehr Krankmeldungen. Bei der TK blieb die Zahl der Arbeitsunfähigkeitsfälle 2024 gegenüber 2023 nahezu unverändert. Die Ausfälle dauerten im Durchschnitt lediglich kürzer.
Die Hintergründe der gestiegenen Fehlzeiten
Ein wichtiger Erklärungsfaktor ist die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Durch die digitale Übermittlung werden Erkrankungen bei den Krankenkassen vollständiger erfasst. Früher mussten Versicherte die Bescheinigungen selbst einreichen; insbesondere kurze Erkrankungen konnten dadurch in der Statistik fehlen. Ein Teil des Anstiegs bildet somit eine bessere Erfassung ab.
Die gesamte Entwicklung lässt sich damit jedoch nicht erklären. Eine DIW-Untersuchung vom Mai 2026 findet den deutlichen Anstieg 2022 auch in Befragungsdaten. Sie kommt deshalb zu dem Ergebnis, dass die elektronische AU den Sprung nur teilweise erklärt.
Hinzu kommen gesundheitliche Entwicklungen. Das Wissenschaftliche Institut der AOK verweist auf mehr Atemwegserkrankungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sowie langfristig zunehmende Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen. Letztere verursachten bei AOK-versicherten Beschäftigten 2025 knapp 42 Prozent mehr Ausfalltage als 2016.
Diese Daten weisen darauf hin, dass psychische Erkrankungen an Bedeutung gewinnen und ein konstruktiver Umgang im betrieblichen Gesundheitsmanagement zukünftig entscheidend sein wird.
Pauschale Erklärungen greifen jedenfalls zu kurz. Die Statistik zeigt sowohl veränderte Erfassungsbedingungen als auch tatsächliche gesundheitliche Belastungen.
Gesundheitsmanagement als konkrete Handlungsmöglichkeit
Unternehmen können nicht jede Erkrankung verhindern. Sie können aber prüfen, wo Arbeit vermeidbare Belastungen erzeugt und welche Unterstützung Beschäftigte benötigen.
Ein geeigneter Einstieg ist überschaubar: vorhandene Fehlzeitendaten zusammengefasst betrachten, Beschäftigte nach Belastungen fragen, einen Schwerpunkt auswählen und klare Zuständigkeiten schaffen. Anschließend lässt sich überprüfen, ob Angebote genutzt werden und sich die Arbeitssituation verbessert. So entsteht schrittweise ein Gesundheitsmanagement, das zum Betrieb passt.
Die BARMER und F.A.Z. Business Media-Befragung liefert dafür positive Hinweise: 59 Prozent berichten im Zusammenhang mit Gesundheitsmaßnahmen von einem besseren Betriebsklima, 56 Prozent von höherer Arbeitszufriedenheit und 31 Prozent von weniger Fehlzeiten.
Auch wenn diese Ergebnisse nicht statistisch belastbar sind, so sprechen sie doch dafür, Gesundheit dauerhaft als Führungsaufgabe zu behandeln. Der Herbst kann den Anlass geben, damit anzufangen. Entscheidend ist, dass aus der Aufmerksamkeit für Krankmeldungen ein kontinuierliches Interesse an gesunden Arbeitsbedingungen wird.
Hinweis: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt und anschließend redaktionell geprüft, überarbeitet und freigegeben.
