Das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben. Auch wenn immer wieder über eine verstärkte Rückkehr ins Büro diskutiert wird, arbeitet in Deutschland weiterhin etwa jeder vierte Erwerbstätige zumindest teilweise von zuhause. Im Jahr 2025 lag der Anteil laut Statistischem Bundesamt bei 25 Prozent. Zum Vergleich: Vor der Corona-Pandemie waren es 2019 lediglich 13 Prozent. (Tagesschau)
Die Grundsatzfrage, ob Homeoffice nun gut oder schlecht ist, dürfte damit langsam in den Hintergrund treten. Interessanter ist vielmehr, welche Erkenntnisse es inzwischen darüber gibt, wie sich die Arbeit zuhause sinnvoll gestalten lässt.
Denn zwischen Videokonferenz, Mittagspause und der schnell angeworfenen Waschmaschine steckt möglicherweise mehr als nur Bequemlichkeit. Aktuelle Entwicklungen und Studien zeigen: Besonders für die mentale Gesundheit spielt es eine große Rolle, wie wir unseren Alltag im Homeoffice organisieren.
Darf ich während der Arbeitszeit eigentlich meine Wäsche waschen?
Eine relativ neue Wortschöpfung aus der Arbeitswelt ist der sogenannte „Soft Off Day“. Dahinter steckt die Idee, an ruhigeren Arbeitstagen im Homeoffice private Dinge in den Arbeitsalltag einzubauen. In diesem Kontext geht es aber über die schnelle Wäscheladung oder den flinken Abwasch hinaus. Gemeint sind Tätigkeiten, die auch mit einem höheren Zeitaufwand verbunden sind – Einkäufe erledigen, gründlich putzen oder auch den eigenen Hobbys während der Arbeitszeit nachgehen.
Ganz neu ist dieses Verhalten vermutlich nicht. Neu daran ist eher, dass es mittlerweile einen griffigen Namen bekommen hat und als Trend diskutiert wird.
Als ein möglicher Grund wird ein dauerhaft erhöhtes Stresslevel genannt. Die Psychologin und Coach Angela Williams argumentiert in einem aktuellen t3n-Beitrag, dass private Tätigkeiten wie Wäschewaschen, Putzen oder einem Hobby nachzugehen helfen können, die kognitive Belastung zu reduzieren und sich ausgeglichener zu fühlen. Der Beitrag basiert dabei unter anderem auf Erfahrungsberichten von Beschäftigten und ordnet den „Soft Off Day“ als Reaktion auf Stress, fehlende Flexibilität und zum Teil auch Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen ein. (t3n)
Es geht also nicht um eine Rechtfertigung dafür, seine eigentliche Arbeit mit privaten Angelegenheiten zu tauschen, sondern um die zentralen Fragen: Wie wichtig ist permanente Anwesenheit, wenn die vereinbarte Arbeit zuverlässig erledigt wird? Und wie stellt sich eine möglichst hohe Zufriedenheit bei Angestellten im Homeoffice ein?
Damit berührt der „Soft Off Day“ eine deutlich größere Debatte rund um flexible Arbeit, Vertrauen und Selbstorganisation.
Was macht Homeoffice mit unserer Psyche?
Noch interessanter wird es, wenn man den Blick auf die mentale Gesundheit im Homeoffice richtet.
Hier gibt es keine einfache Antwort. Homeoffice macht weder automatisch glücklich noch einsam oder krank. Der aktuelle Forschungsstand deutet vielmehr darauf hin, dass die konkrete Gestaltung des Alltags eine entscheidende Rolle spielt.
Ein aktueller Beitrag der Tagesschau verweist unter anderem auf eine Untersuchung im Fachjournal Science, für die Daten von mehr als einer halben Million Menschen in den USA aus den Jahren 2011 bis 2024 ausgewertet wurden. Demnach traten psychische Belastungen bei Beschäftigten in Berufen, die grundsätzlich für Homeoffice geeignet sind, häufiger auf. Besonders stark betroffen waren alleinlebende Personen. Gleichzeitig lässt sich daraus nicht ableiten, dass das Homeoffice selbst die Ursache dafür ist. (Tagesschau)
Faktoren wie Bewegung, soziale Kontakte und Abwechslung in der Umgebung spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Genau diese Dinge können bei der Arbeit zuhause leichter zu kurz kommen: Der Arbeitsweg entfällt, spontane Begegnungen mit Kollegen werden seltener und manchmal reduziert sich der tägliche Radius auf wenige Räume. Studien, die im Tagesschau-Beitrag zusammengefasst werden, zeigen dagegen positive Zusammenhänge zwischen Bewegung, unterschiedlichen Aufenthaltsorten, sozialen Kontakten und dem persönlichen Wohlbefinden.
So betrachtet scheint das Homeoffice zunächst nicht gerade der ideale Ort für eine stabile und gesunde Psyche zu sein. Sollten dann nicht doch alle Menschen wieder zurück in die Büros kommen? Ganz so einfach ist es natürlich nicht.
Die Dosis macht das Homeoffice
Denn auch im Büro sind weder ausreichend Bewegung noch erfüllende soziale Kontakte garantiert. Acht Stunden am selben Schreibtisch bleiben schließlich acht Stunden am selben Schreibtisch – unabhängig davon, wo der Schreibtisch steht. So unterschiedlich menschliche Bedürfnisse sind, so unterschiedlich sind auch die Bedingungen, unter denen Menschen gut arbeiten können.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine aktuelle Untersuchung zur Produktivität im Homeoffice. Demnach kann Homeoffice die Produktivität zunächst steigern, bei einem sehr hohen Anteil kehrt sich dieser Effekt allerdings wieder um. Eine allgemeingültige ideale Quote gibt es laut den Forschenden nicht – unter anderem spielen Tätigkeit, Branche und individuelle Voraussetzungen eine wichtige Rolle. (Tagesschau)
Entscheidender scheint deshalb zu sein, bewusst Abwechslung in den Arbeitsalltag zu bringen. Ein Spaziergang in der Mittagspause, Sport vor, zwischen oder nach der Arbeit, Treffen mit Kollegen oder Freunden und gelegentliche Ortswechsel – etwa in den Co-Working-Space oder ein Café – können gerade bei längeren Homeoffice-Phasen sinnvoll sein. Auch die Tagesschau kommt zu dem Schluss, dass sich mögliche psychische Risiken nicht allein durch eine Rückkehr ins Büro lösen lassen. Entscheidend seien vielmehr Ortsvielfalt, Bewegung und soziale Begegnungen – unabhängig vom eigentlichen Arbeitsort.
Hybride Modelle bieten dafür einen naheliegenden Ansatz. Sie verbinden die Vorteile konzentrierten Arbeitens zuhause mit persönlichen Kontakten und gemeinsamen Erlebnissen im Büro.
Schon in unserem früheren Beitrag zur „Back to Office“-Debatte war deshalb weniger die Frage entscheidend, ob Homeoffice angeboten werden sollte, sondern wie es sinnvoll in die Arbeitskultur integriert werden kann.
Mehr Freiheit braucht auch Selbstorganisation
Nach einigen Jahren, in denen unsere Gesellschaft nun Erfahrungen mit dem Homeoffice gesammelt hat, wird das Bild also differenzierter. Flexible Arbeit kann Freiräume schaffen, Wege sparen und helfen, Beruf und Privatleben individueller miteinander zu verbinden. Gleichzeitig besteht das Risiko, dass Bewegung, soziale Kontakte und Abwechslung zu kurz kommen und dadurch psychische Belastungen begünstigt werden.
Vielleicht liegt die wichtigste neue Erkenntnis deshalb darin, dass nicht der Arbeitsort allein darüber entscheidet, wie gesund unser Arbeitstag ist. Es kommt darauf an, eine passende Balance herzustellen und die Arbeitsumgebung entsprechend zu gestalten. Und wenn zwischendurch tatsächlich einmal die Waschmaschine läuft, muss das zumindest für die mentale Gesundheit nicht zwangsläufig die schlechteste Entscheidung des Tages gewesen sein.
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