Künstliche Intelligenz ist längst in der Arbeitswelt angekommen. Wenn darüber gesprochen wird, geht es allerdings meistens um Berufe, die ohnehin am Computer stattfinden: Marketing, Verwaltung, Softwareentwicklung, Kundenservice, Personalwesen oder Datenanalyse. KI schreibt Texte, fasst Dokumente zusammen, erstellt Bilder, analysiert Bewerbungen oder beantwortet Kundenanfragen.
Dadurch entsteht schnell der Eindruck, dass Künstliche Intelligenz vor allem ein Thema für klassische Bürojobs ist. Doch das greift zu kurz. Auch in Berufen, die stark von körperlicher Arbeit geprägt sind, entstehen neue Anwendungen. Besonders im Handwerk und auf Baustellen wird sichtbar, dass KI und Robotik nicht nur digitale Prozesse verändern, sondern auch ganz praktische, anstrengende und repetitive Tätigkeiten übernehmen können.
Das ist gerade deshalb spannend, weil viele handwerkliche Berufe unter hohem Fachkräftemangel leiden. Laut Bundesagentur für Arbeit gilt jeder dritte Handwerksberuf als Engpassberuf. Besonders betroffen sind unter anderem Berufe in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, in der Energietechnik, in Bau- und Ausbauberufen sowie in Mechatronik, Elektronik und Automatisierungstechnik.
KI auf der Baustelle
Ein aktuelles Beispiel kommt aus Solingen. In einem denkmalgeschützten Altbau wird ein mit KI trainierter Roboter eingesetzt, der mit der Maurerkelle arbeitet. Er soll dabei vor allem körperlich anstrengende Arbeiten übernehmen, für die sich immer schwerer Personal finden lässt. Der Fall zeigt sehr anschaulich, dass Automatisierung im Bauhandwerk nicht mehr nur eine abstrakte Zukunftsvision ist.
Dabei geht es nicht zwangsläufig darum, den Menschen vollständig zu ersetzen. Vielmehr können einzelne Tätigkeiten automatisiert werden: Arbeiten über Kopf, das Heben schwerer Materialien, monotone Wiederholungen oder Aufgaben, die ergonomisch besonders belastend sind. Gerade hier liegt ein großes Potenzial für KI-gestützte Maschinen.
Auch das ZDF berichtete zuletzt über KI im Handwerk. Dort wurde unter anderem ein Holzbaubetrieb in Bad Lippspringe vorgestellt, der eine KI-App einsetzen will, um Beschäftigte sprachlich besser zu vernetzen. Das Beispiel zeigt: KI im Handwerk bedeutet nicht immer gleich Roboterarm und Baustellenmaschine. Manchmal geht es auch darum, Kommunikation, Organisation und Zusammenarbeit auf der Baustelle zu verbessern.
Vier Beispiele für KI und Robotik im Handwerk
1. Roboter, die mauern
Ein besonders naheliegender Einsatzbereich ist das Mauern. Das australische Unternehmen FBR entwickelt mit Hadrian einen automatisierten Mauerroboter. Laut Hersteller kann das System bis zu 360 Blöcke pro Stunde verarbeiten und potenziell Innen- und Außenwände eines Standardhauses an einem Tag errichten.
Auch das niederländische Start-up Monumental arbeitet an Robotern für Maurerarbeiten. Das Unternehmen beschreibt seinen Ansatz als Automatisierung von Bauprozessen durch Robotik und Software. Medienberichte zeigen, dass die Roboter bereits in Pilotprojekten in den Niederlanden eingesetzt wurden, unter anderem bei Fassaden und Wohnbauprojekten.
Für die Baubranche ist das ein naheliegender Entwicklungspfad. Mauerarbeiten sind körperlich fordernd, wiederholen sich häufig und finden unter wechselnden Bedingungen statt. Genau diese Mischung macht die Automatisierung zwar technisch anspruchsvoll, aber auch besonders attraktiv.
2. Bohrroboter für Deckenarbeiten
Ein weiteres Beispiel ist der Jaibot von Hilti. Dabei handelt es sich um einen semi-autonomen Bohrroboter für Baustellen. Er wird vor allem bei Installationsarbeiten eingesetzt, etwa wenn viele Bohrungen in Decken vorgenommen werden müssen. Hilti beschreibt den Roboter als BIM-gestütztes System, das repetitive Arbeiten übernehmen und dabei Produktivität, Sicherheit und Genauigkeit verbessern soll.
Gerade Überkopfbohren ist körperlich belastend. Wer schon einmal längere Zeit über Kopf gearbeitet hat, weiß, wie schnell Schultern, Nacken und Rücken beansprucht werden. Wenn Roboter solche Aufgaben übernehmen, kann das Beschäftigte gesundheitlich entlasten und gleichzeitig die Ausführung standardisierter machen.
3. Roboter im Trockenbau
Auch im Trockenbau gibt es bereits automatisierte Lösungen. Canvas entwickelt Roboter für das Bearbeiten und Finishen von Trockenbauwänden. Die Systeme können Wände scannen, Oberflächen bearbeiten und Spachtel- bzw. Schleifarbeiten unterstützen. Laut Universal Robots kann die Canvas-Lösung Trockenbau-Finishing-Zeiten um bis zu 60 Prozent reduzieren und den Arbeitskräftebedarf um etwa 40 Prozent senken.
Hier zeigt sich ein wichtiger Punkt: Viele Anwendungen setzen nicht bei besonders spektakulären Tätigkeiten an, sondern bei Arbeitsschritten, die im Alltag viel Zeit kosten. Schleifen, Glätten, Bohren, Tragen, Messen oder Wiederholen sind keine Nebensachen. Sie machen einen großen Teil körperlicher Arbeit aus.
4. Exoskelette als Unterstützung für den Körper
Nicht jede Innovation muss gleich ein autonomer Roboter sein. Exoskelette sind ein gutes Beispiel für Technik, die den Menschen nicht ersetzt, sondern körperlich unterstützt. Sie können bei Tätigkeiten helfen, bei denen Beschäftigte häufig heben, tragen, sich bücken oder über Kopf arbeiten müssen.
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin beschreibt passive Exoskelette für den Oberkörper als möglichen Präventionsansatz für Arbeitsplätze mit hohen körperlichen Belastungen. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass es bislang nur wenige gesicherte Erkenntnisse zu den Folgen einer langfristigen Nutzung gibt.
Das ist eine wichtige Einschränkung. Exoskelette können entlasten, müssen aber sorgfältig eingeführt werden. Passform, Tragekomfort, Bewegungsabläufe und Akzeptanz der Beschäftigten spielen eine große Rolle. Die BAuA betont, dass Exoskelette Bewegungsmuster verändern können und deshalb nicht pauschal als einfache Lösung betrachtet werden sollten.
Warum diese Entwicklung gerade jetzt wichtig ist
Der Fachkräftemangel im Handwerk ist kein neues Thema. Auch hier im Blog war das bereits Thema. Besonders Baugewerbe, gewerbliche Berufe und Blue-Collar-Jobs stehen vor großen Herausforderunge. Klassische Recruiting-Wege reichen oft nicht mehr aus, um genügend passende Bewerber zu erreichen.
KI und Robotik lösen dieses Problem nicht allein. Aber sie können ein Teil der Antwort sein. Wenn Maschinen besonders schwere, monotone oder gesundheitsschädliche Tätigkeiten übernehmen, kann das handwerkliche Berufe attraktiver machen. Wer weniger körperlich verschleißende Arbeiten erledigen muss, bleibt womöglich länger im Beruf. Gleichzeitig könnten Betriebe produktiver werden, obwohl weniger Fachkräfte verfügbar sind.
Interessant ist auch, dass solche Technologien das Image des Handwerks verändern können. Viele junge Menschen verbinden handwerkliche Berufe noch immer mit körperlicher Belastung, wenig Flexibilität und traditionellen Arbeitsweisen. Moderne Robotik, digitale Planung, KI-gestützte Assistenzsysteme und smarte Werkzeuge zeigen ein anderes Bild: Handwerk kann technologisch anspruchsvoll, innovativ und zukunftsorientiert sein.
Vorteile: Entlastung, Sicherheit und Produktivität
Die Vorteile liegen auf der Hand. Roboter können Tätigkeiten übernehmen, die für Menschen besonders anstrengend oder ungesund sind. Dazu zählen Arbeiten über Kopf, monotone Wiederholungen, schweres Heben oder Tätigkeiten in gefährlichen Umgebungen. Das kann die körperliche Belastung reduzieren und langfristig dabei helfen, Ausfälle durch Überlastung zu vermeiden.
Ein zweiter Vorteil ist die Produktivität. Wenn Maschinen standardisierte Aufgaben schnell und präzise erledigen, können Projekte effizienter umgesetzt werden. Gerade auf Baustellen, wo Zeitpläne oft eng sind und Personal fehlt, kann das ein entscheidender Faktor sein.
Drittens können digitale Systeme die Qualität sichern. Ein Roboter, der nach Plan bohrt, misst oder arbeitet, kann Fehler reduzieren. In Verbindung mit digitalen Bauplänen, Sensoren und KI-Auswertung entsteht eine Arbeitsweise, die handwerkliches Können nicht ersetzt, aber sinnvoll ergänzt.
Nachteile: Kosten, Akzeptanz und neue Abhängigkeiten
Trotzdem sollte man die Entwicklung nicht zu euphorisch betrachten. Die Anschaffung solcher Systeme ist teuer. Viele Handwerksbetriebe sind kleine oder mittelständische Unternehmen. Für sie ist es nicht ohne Weiteres möglich, in Robotertechnik, KI-Systeme oder umfassende digitale Infrastruktur zu investieren.
Dazu kommt die Frage der Akzeptanz. Beschäftigte müssen den Nutzen erkennen und den Umgang mit neuen Technologien lernen. Wenn Technik als Kontrolle, Bedrohung oder Ersatz wahrgenommen wird, kann sie Widerstand erzeugen. Entscheidend ist deshalb, wie Unternehmen solche Systeme einführen: transparent, praxisnah und gemeinsam mit den Menschen, die später damit arbeiten sollen.
Auch die Qualifikationsprofile verändern sich. Wer im Handwerk arbeitet, wird künftig womöglich stärker mit digitalen Plänen, Assistenzsystemen, Daten oder Maschinensteuerung zu tun haben. Das kann Berufe aufwerten, setzt aber Weiterbildung voraus. Ohne Schulung und verständliche Einführung bleibt die beste Technologie ungenutzt.
Ein weiterer Punkt: Nicht jede körperliche Tätigkeit lässt sich sinnvoll automatisieren. Handwerk lebt von Erfahrung, Improvisation, Materialgefühl und situativem Entscheiden. Gerade bei Sanierungen, Sonderanfertigungen oder Arbeiten in Bestandsgebäuden sind menschliches Urteilsvermögen und handwerkliche Kompetenz unverzichtbar.
KI ersetzt nicht das Handwerk – sie verändert es
Die entscheidende Frage lautet also nicht: Werden Roboter bald alle Handwerker ersetzen? Viel realistischer ist eine andere Entwicklung. KI und Robotik werden einzelne Arbeitsschritte übernehmen, während Menschen weiterhin planen, bewerten, steuern, kontrollieren und komplexe Entscheidungen treffen.
Das Handwerk verschwindet dadurch nicht. Es verändert sich. Körperliche Arbeit wird stärker durch digitale Technik ergänzt. Aus klassischen Werkzeugen werden zunehmend smarte Werkzeuge. Aus Baustellen werden vernetzte Arbeitsumgebungen. Und aus handwerklichen Berufen können Tätigkeiten entstehen, die körperliche Praxis mit technologischem Know-how verbinden.
Für Arbeitgeber ist das auch im Personalmarketing relevant. Wer moderne Technologien einsetzt, kann zeigen, dass Arbeit im Handwerk nicht stehen geblieben ist. Das kann besonders für junge Zielgruppen ein wichtiges Signal sein. Denn ein Beruf, der körperliche Praxis, Sinnhaftigkeit und moderne Technik verbindet, wirkt deutlich attraktiver als das alte Bild von harter Arbeit ohne Perspektive.
Künstliche Intelligenz ist also nicht nur ein Thema für Büros, Agenturen und Verwaltungen. Sie kommt auch dort an, wo gebohrt, gemauert, getragen, geschliffen und montiert wird. Gerade deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn vielleicht liegt eine der spannendsten Entwicklungen der KI nicht am Schreibtisch, sondern auf der Baustelle.
Hinweis: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt und anschließend redaktionell geprüft, überarbeitet und freigegeben.

