Languishing Rose

Online Marketing | Vom 30.03.2026

Warum das Gefühl des Dahinvegitierens ein Risiko für Unternehmen darstellt

Nicht Burnout ist aktuell die größte Herausforderung der Arbeitswelt – sondern ein Zustand, der zwischen Depression und Flow liegt. Woher kommt dieser Zustand und was lässt sich dagegen unternehmen?

Nicht Burnout ist aktuell die größte Herausforderung der Arbeitswelt – sondern ein Zustand, der zwischen Depression und Flow liegt. Viele Beschäftigte funktionieren, erfüllen ihre Aufgaben und sind präsent. Gleichzeitig fehlt es an Energie, Motivation und echter Verbindung zur eigenen Tätigkeit.

Viele Entwicklungen der letzten Jahre weisen darauf hin, dass ein zunehmender Anteil Beschäftigter in ihrer Situation unzufrieden ist. Vom „Quiet Cracking“, bei dem sich eine schleichende Entfremdung von der eigenen Arbeit entwickelt, hin zur emotionalen Mitarbeiterbindung, die sich auf einem bedenklich niedrigen Niveau einzupendeln scheint – die Stimmung auf dem Arbeitsmarkt wirkt fragil.

Eine aktuelle Umfrage von YouGov in Zusammenarbeit mit der University of Illinois Urbana-Champaign aus den USA zeigt jetzt außerdem, dass viele Beschäftigte das Gefühl haben, in ihrem Job lediglich vor sich hin zu dümpeln. Der englische Originalbegriff dafür lautet „Languishing“ und lässt sich nicht nahtlos ins Deutsche übersetzen. Auch wenn sich die Ergebnisse nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen lassen, passen sie bemerkenswert gut zu den Entwicklungen, die sich auch hier beobachten lassen.

Ursprung des Languishing

Der Begriff „Languishing“ stammt aus der Positiven Psychologie und wurde maßgeblich vom Soziologen Corey Keyes geprägt. Er beschreibt damit einen Zustand, der zwischen psychischer Gesundheit und Krankheit liegt. Menschen, die sich in diesem Zustand befinden, sind nicht akut depressiv oder ausgebrannt – gleichzeitig fehlt es ihnen aber an Energie, Motivation und Sinnempfinden.

Bekannt wurde der Begriff einer breiteren Öffentlichkeit vor allem während der Corona-Pandemie, als der Organisationspsychologe Adam Grant ihn aufgriff und als „vernachlässigtes Mittelfeld der mentalen Gesundheit“ bezeichnete. Viele Menschen konnten sich in dieser Beschreibung wiederfinden: funktional im Alltag, aber innerlich wenig verbunden mit dem, was sie tun.

Warum Languishing gerade jetzt wieder eine Rolle spielt

Dass das Thema aktuell erneut an Bedeutung gewinnt, ist kein Zufall. Die Arbeitswelt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, der bei vielen Beschäftigten ein Gefühl von Unsicherheit auslöst. Wirtschaftliche Schwankungen, strukturelle Veränderungen in ganzen Branchen und nicht zuletzt die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz tragen dazu bei, dass Jobs zunehmend als weniger stabil wahrgenommen werden.

Diese wahrgenommene Unsicherheit hat einen bemerkenswerten Effekt: Sie führt nicht zwangsläufig dazu, dass Menschen aktiv nach Alternativen suchen – im Gegenteil. Für viele Beschäftigte entsteht eine Situation, in der sie zwar unzufrieden sind, gleichzeitig aber davor zurückschrecken, ihre aktuelle Position aufzugeben. Die Angst vor einem ungewissen Arbeitsmarkt oder einer Verschlechterung der eigenen Situation verstärkt die Tendenz, im Bekannten zu verharren.

So entsteht ein Spannungsfeld aus Unzufriedenheit und Stillstand. Menschen bleiben in einer Situation, die sie nicht erfüllt, ohne aktiv etwas daran zu verändern. Genau diese Kombination begünstigt das Gefühl des „Dahinvegitierens“ – ein zentraler Nährboden für Languishing.

Ursachen von Languishing

Die Forschung nennt unterschiedliche Ursachen, die Languishing begünstigen. Eine fehlende persönliche Entwicklung sowie die Abwesenheit von Sinn in der eigenen Arbeit gehören dazu. Auch monotone oder wenig herausfordernde Tätigkeiten reihen sich ein. Einen negativen Einfluss können außerdem Arbeitsumfelder haben, die lediglich auf Produktivität, nicht aber auf Engagement ausgerichtet sind.

Nicht zuletzt spielt die soziale Dimension eine entscheidende Rolle: Zu wenig Verbindung zu Kollegen, fehlende Zugehörigkeit oder ein distanziertes Arbeitsumfeld können das Gefühl verstärken, innerlich nicht wirklich Teil des Ganzen zu sein.

Welches Risiko Languishing beinhaltet

Zunächst ist festzuhalten, dass Languishing an sich noch keinen bedenklichen Zustand im Sinne einer psychischen Erkrankung darstellt. Dennoch zeigen Studien, dass Personen, die sich langfristig in diesem Zustand befinden, ein deutlich erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen haben.

Genau hier liegt der kritische Punkt: Ohne ein Bewusstsein für diesen Zustand oder Strategien im Umgang damit bleibt ein unterschwelliges Risiko bestehen. Je länger Languishing anhält, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass sich daraus ernsthafte Belastungen entwickeln.

Seit der Corona-Pandemie nehmen psychische Belastungen weltweit zu. Die WHO ordnet sie als eine der Hauptursachen für Beeinträchtigungen im Alltag und im Arbeitsleben ein. Das hat auch wirtschaftliche Auswirkungen: Die Zunahme psychischer Erkrankungen geht mit erheblichen Produktivitätsverlusten einher.

Für Unternehmen ergibt sich daraus ein konkretes Risiko. Mitarbeitende, die sich in einem Zustand des Languishing befinden, sind zwar präsent, aber häufig weniger engagiert, weniger innovativ und langfristig anfälliger für Ausfälle oder Fluktuation. Das Problem ist dabei weniger sichtbar als Burnout – aber nicht weniger relevant.

Maßnahmen, die gegen Languishing helfen

Die Prävention oder Eindämmung des Languishing-Gefühls kann auf zwei Ebenen stattfinden. Beschäftigte können sich selbst bestimmte Techniken aneignen, um zufriedener und stabiler im Beruf zu sein – selbst dann, wenn die Umstände nicht optimal sind.

  • Reframing: Eine gängige Technik in der Psychotherapie. Dabei versucht man, in einer schwierigen Situation das Positive zu erkennen oder sich bewusst zu machen, dass sie vorübergehend ist.
  • Reaching out: Der Austausch mit Familie, Freunden oder Kollegen kann helfen, die eigene Situation besser einzuordnen und sich weniger isoliert zu fühlen.
  • Reset: Bewusste Auszeiten und Aktivitäten, die Energie geben – von Bewegung bis hin zu Entspannungstechniken – können helfen, wieder mehr Balance zu finden.

Gleichzeitig sollte die Verantwortung nicht allein beim Individuum liegen. Unternehmen haben erheblichen Einfluss darauf, ob Languishing entsteht oder reduziert wird. Eine Arbeitsumgebung, die auf Autonomie, Vertrauen, Sinn und soziale Verbindung setzt, kann einen entscheidenden Unterschied machen.

Darüber hinaus sind klare Perspektiven, Entwicklungsmöglichkeiten und eine offene Feedbackkultur zentrale Faktoren. Gerade in unsicheren Zeiten ist es wichtig, Orientierung zu geben und Mitarbeitenden das Gefühl zu vermitteln, Einfluss auf ihre eigene Situation zu haben. Wer versteht, wohin die eigene Entwicklung gehen kann, bleibt eher in Bewegung – anstatt innerlich stehen zu bleiben.


Fotos von Unsplash

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